Stefan Huber, ich und Stefan Dettl bei der Gegenkundgebung auf dem Traunsteiner Maxplatz.

Mein Redebeitrag bei der Kundgebung gegen die AfD

Vielen Dank den Vorrednerinnen und Vorrednern, insbesondere Dir, Michael von den Linken, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, das AfD-Wahlprogramm zu lesen und es gekonnt zu widerlegen.

Danke Stefan Dettl und Stefan Huber von LaBrassBanda für den geblasenen Protest, so dass wir unsere Gefühle auch immer wieder musikalisch rauslassen können.

Danke den Organisatorinnen Helga Mandl und Renate Schunck und allen, die gekommen sind, um auf fantasievolle und kreative Art gemeinsam zu zeigen, dass wir den Feinden der Demokratie und unserer offenen Gesellschaft entschlossen entgegentreten.

Als Bundestagskandidat einer demokratischen Partei befürchte ich, dass wir uns darauf vorbereiten müssen, dass nach 70 Jahren nun wieder Pöbeleien von rechts im Reichstagsgebäude zu hören sein werden. Ich kandidiere auch deswegen, damit das nicht passiert.

Von St.  Oswald mahnte der Papst die AfD-Anhänger.

Von St. Oswald mahnte der Papst die AfD-Anhänger.

Es gibt den berühmten Satz: „Alle großen geschichtlichen Ereignisse ereignen sich zwei Mal, einmal als Tragödie und einmal als Farce.“ Lasst uns zusammenhelfen, die Farce diesmal zu verhindern!

Als evangelischer Pfarrer möchte ich vor allem den Christinnen und Christen sagen, dass Ausländerfeindlichkeit und rechte Hetze nicht mit dem christlichen Menschenbild und der Bibel vereinbar sind. Immerhin heißt es in der Bibel: „Du sollst einen Fremden nicht schlecht behandeln, denn ihr seid selbst Fremde gewesen in Ägypten!“    

Ich möchte noch etwas sagen zu den Motiven von Menschen, die mit der AfD sympathisieren.

Ich habe im Wahlkampf häufiger gehört: „Die da oben  machen eh, was sie wollen.“

Ich habe dann geantwortet: „Ich stehe hier unten mit Ihnen, auf dem gleichen Boden, auf einer Höhe. Ich möchte auch nach Berlin und ich erlebe in diesem Wahlkampf, dass viele Politikerinnen und Politiker auf die Straße gehen, zu den Menschen vor Ort und sich anhören, was die Bürgerinnen und Bürger denken. Vielleicht tun sie das nur, wenn Wahl ist, aber immerhin dann tun sie es, und wir haben die Wahl zwischen Politikerinnen und Politikern, die einstehen für demokratische Werte und für die gesellschaftliche Freiheit, die wir in 70 Jahren entwickelt haben. Man darf nicht aus Ärger und Unzufriedenheit all das hinwerfen und denen die Macht geben, die das Erreichte zerstören wollen.

Ein weiterer Punkt: Ich beobachte bei manchen Menschen eine Lust am Untergang. Wir hatten das schon einmal, in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts war das ein in Kunst und Gesellschaft weit verbreitetes Motiv:

Danebenstehen und mit einem Schaudern zusehen, wie der voll besetzte Zug mit einem Affentempo auf den Abgrund zusteuert und sich daran ergötzen oder auch noch nachhelfen, damit sich die Katastrophe auch wirklich ereignet.

Ich widerspreche hier ganz entschieden. Es ist verwerflich sich am Untergang zu ergötzen. Es ist nicht gleichgültig, was geschieht, und es ist auch nicht möglich eine neutrale Beobachterposition einzunehmen. Schön, dass ihr hier seid und Farbe bekennt.

Zu denen, die drüben am Stadtplatz an der AfD-Kundgebung teilnehmen: Schaut sie euch an.

Es gibt soziologische Untersuchungen über AfD-Wähler, Pegida-Demonstranten und so genannte Wutbürger. Diese sind überwiegend männlich, über 60 Jahre alt und alleinstehend. Ich schätze, dass wir es mit einem Großteil frustrierter Männer zu tun haben, die sich und ihr Leben eventuell als gescheitert wahrnehmen und dafür nach einem Sündenbock suchen. Migranten und Asylbewerber sind aber keine Sündenböcke. Vor solcher Instrumentalisierung müssen wir sie schützen.

Dazu muss endlich auch die CSU andere Töne von sich geben als weiterhin Schützenhilfe für Fremdenfeinde und Rassisten zu leisten. Ich muss das hier sagen, weil ich es selbst erlebt habe. Horst Seehofer hat mit seiner Forderung nach Obergrenzen und Begrenzung des Zuzugs die rechten Stammtischparolen erst wieder salonfähig gemacht. Ich habe Andreas Scheuer 2015 bei einer Veranstaltung der Regierung von Oberbayern erlebt, die ihr neues, altes Ankunftszentrum für Asylbewerber in München-Obersendling der Bevölkerung vorstellte. Im Publikum saß ein mit Springerstiefeln, Bomberjacke und Lonsdale-T-Shirt klar erkennbarer Neonazi, der fragte, warum so viele Ausländer zu uns kämen und was man dagegen machen könne. Herr Scheuer sprang auf, ergriff das Wort und war so blöde, diesem Neonazi nach dem Munde zu reden. Das darf einfach nicht sein!

Auf die Wählerstimmen von Neonazis muss auch die CSU getrost verzichten, wenn sie sich nicht zu deren Erfüllungsgehilfin machen will.

Alle demokratischen Parteien müssen hier zusammenstehen, damit die AfD zu einer vorübergehenden Erscheinung wird, die sich selbst zerlegt.

Deswegen: Bewahrt die Demokratie!
Andreas Herden in den Bundestag wählen!