Andreas Herden: Gewalt löst keine Probleme

Ist Krieg die bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln?

Ganz gleich, wie man die Frage versteht – sie ist Ausdruck eines Denksystems, das uns keinen Schritt weitergebracht hat. Wie kann man sie verstehen? 1. Die Frage stellt ein geschlossenes System dar mit der Hypothese: Krieg kann Teil, kann ein Mittel von Politik sein. Damit legitimieren wir den Krieg als Mittel der Politik. 2. Die Frage beschreibt zwei geschlossene Systeme – hier die Politik, dort der Krieg. Wenn die Politik am Ende ist, hat der Krieg seinen Anfang. Auch hier wird Krieg legitimiert, nämlich als logische Folge des Scheiterns der Politik. Beide Ansätze halte ich für höchst fragwürdig.

Was sind Ursachen für Kriege zwischen Staaten? Territorialansprüche, Herrschaftsinteressen, Herrschaftssicherung und Machtkonkurrenz sowie Rohstoffbedarf. Und das sind noch die „rationalen“ Kriegsursachen. Dazu kommen irrationale wie die falsche Einschätzung von Absichten des potenziellen Kriegsgegners und die Ablenkung von Problemen und Konflikten im eigenen Land. Ursachen von Bürgerkriegen sind interner Kolonialismus, in dem Bevölkerungsgruppen oder Regionen ausgebeutet und politisch unterdrückt werden; sozio-ökonomische Heterogenität, also Gesellschaftssysteme, die auf sozialer Ungerechtigkeit beruhen; und zuletzt ethnisch-kulturelle Heterogenität – Systeme, die nicht für den Interessensausgleich unterschiedlicher Ethnien in einem Staatsgebilde sorgen.

Keiner der genannten Kriegsgründe ist ethisch und moralisch zu vertreten, weil er den Kriegsgegner immer zum Mittel zum Zweck abqualifiziert. Ich muss mein Territorium vergrößern – zu Lasten meines Nachbarn. Ich muss meine Herrschaftsinteressen wahren, auf Kosten des weniger Mächtigen. Ich muss meine Herrschaft sichern – weil ich Angst vor einer Bedrohung von außen habe. Ich muss mich gegen die Machtkonkurrenz durchsetzen, weil ich die Vormachtstellung in der Region einnehmen will. Ich muss meinem Land Ressourcen sichern – möglichst ohne dafür zu bezahlen.

Als Kriegsgrund gerade besonders beliebt: die Bestrafung nach einem wie auch immer und von wem auch immer definierten Fehlverhalten. Oft dient dieses Fehlverhalten dazu, (mindestens) einem der vorgenannten Kriegsgründe ein moralisches Mäntelchen überzuwerfen. Das Procedere basiert auf einem überkommenen patriarchalischen Weltbild: Der Omnipotenzfantasien auslebende Vater reklamiert das Recht für sich, sein ungehorsames Kind zum Zwecke der Erziehung zu züchtigen. Durch diese Art der „Erziehung“ bietet er dem Kind Gewalt als Problemlösungsstrategie an. Die vermeintliche Logik der Erziehung zum Besseren durch Gewalt wird für die nächste Generation manifestiert. Nichts anderes passiert bei Bestrafungskriegen: Sie destabilisieren die Bekriegten noch mehr. Und sie treffen immer die Schwächsten und die Unschuldigen am heftigsten, mit dem möglichen Effekt, dass sie sich radikalisieren.

Nein, Krieg ist nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Krieg ist das Mittel, das zum Einsatz kommt, wenn die Politik am Ende ist. Und um dem Ganzen das Unpersönliche zu nehmen: Krieg ist das Mittel der Wahl, wenn Politiker gescheitert sind. Krieg ist Scheitern. Eine Rechtfertigung des Krieges als Mittel der Politik ist der Versuch, die Verwirklichung des eigenen Machtstrebens zu verschleiern. Die Folge des Krieges ist nicht Frieden. Wer Krieg als Problemlösungsstrategie akzeptiert, akzeptiert auch, dass die Folge des Krieges Krieg ist. Aus diesem Teufelskreis müssen wir aussteigen.

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