Sepp Hohlweger, Gisela Bachmann, Helga Mandl und Bernhard Zimmer gratulieren Andreas Herden zum hervorragenden Wahlergebnis.

Über das gute Wahlergebnis für Andreas Herden (Mitte) freuten sich (von links) Sepp Hohlweger, Gisela Bechmann, Helga Mandl und Bernhard Zimmer. Fotos: Hans Eder

Pfarrer ist Bundestagskandidat der Grünen im Stimmkreis 225

92,6 Prozent für den Trostberger Andreas Herden

Von Hans Eder

Waging. Die Grünen im Stimmkreis 225, der die Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein umfasst, haben den 49-jährigen Pfarrer Andreas Herden aus Trostberg zum Kandidaten für die Bundestagswahl 2017 gekürt. Bei der gemeinsamen Versammlung der beiden Kreisverbände im Gasthaus „Unterwirt“ in Waging erhielt Herden, der eine halbe Pfarrstelle in Burgkirchen im Landkreis Altötting innehat, 50 von 55 abgegebenen Stimmen. Zwei entfielen auf den Freilassinger Georg Brandl, der spontan und für alle unerwartet seine Kandidatur erklärt hatte. Nun hoffen die Grünen in der Region, dass Herden bei der Aufstellungsversammlung in Augsburg einen guten Listenplatz bekommen wird.

Herden ist seit 2011 Mitglied bei den Grünen, war 2015/15 Kreisrat im Landkreis Traunstein, ehe ihn die evangelisch-lutherische Kirche vor die Alternative Mandat oder Kanzel gestellt hatte. Er bezeichnet sich selbst als „Sozialpolitiker“, was bei seiner Aufgabe bei der Inneren Mission in München auch ein beruflicher Schwerpunkt war: Dort war er von 2010 bis 2015 Abteilungsleiter für Behindertenhilfe, Sozialpsychiatrie, Migration und Asyl gewesen. Zuvor hatte er Pfarrstellen in Burghausen (2001 bis 2005) und in Trostberg inne (2005 bis 2010).

Ganz besondere Menschen hätten seine Leidenschaft für Politik geweckt und ihn zur Kandidatur gebracht, sagte Herden in seiner Vorstellungsrede vor den Grünen-Mitgliedern der beiden Landkreise: Eine große Rolle habe dabei unter anderem die Trostberger Stadträtin Marianne Penn gespielt, die ihn „beharrlich“ immer wieder darauf angesprochen habe. Im Übrigen verneige er sich in Hochachtung vor Menschen wie Gisela Sengl, die gezeigt habe, was man erreichen kann, wie Sepp Daxenberger, der in ganz Bayern den Boden für die Grünen bereitet habe, oder auch Ruth Rehmann, die die erste Bundestagskandidatin der Grünen in der Region war und die er auf dem Sterbebett noch habe begleiten dürfen.

Ein ganz wichtiger Schwerpunkt sei ihm eine offene Gesellschaft, die nicht zuletzt eine Frucht der beharrlichen Arbeit der Grünen sei, sagte Herden unter dem Applaus der Anwesenden. Es dürfe keinen Spielraum geben für Hass, und auch der Vertrauensverlust der Politik mache ihm Sorgen. Ihm graue davor, dass 2017 eventuell Gruppen „mit einfältigem, dumpfem Patriotismus“ in den Bundestag einziehen könnten: „Dann wird die Bundesrepublik eine andere sein.“ Er erlebe selbst in den Schulen, in den Leserbriefen, an den Stammtischen blanken Hass; diese Einstellungen müsse man im Keim ersticken.

Als weitere Schwerpunkte nannte Herden die Unterstützung Benachteiligter, Gerechtigkeit und Frieden, die untrennbar mit dem Klimawandel verbunden seien; hier müsse vor Ort und auch global schnell und entschlossen gegengesteuert werden. Kommunikation, Dialog, Ausgleich und Kompromissfähigkeit seien für ihn „die politischen Instrumente Nummer eins“. Sich selbst sehe er vor allem als Idealist und Pazifist. Darum erklärte er auf eine Anfrage aus der Versammlung auch klipp und klar, dass er niemals zustimmen würde, „Menschen mit der Waffe in der Hand irgendwohin zu schicken“. Die Politik, so seine Vorstellung, solle nachhaltig betrieben werden, man dürfe im politischen Alltag nie die großen Perspektiven aus dem Blick verlieren und nicht immer nur auf Herausforderungen reagieren. Und bei alledem solle den Bürgern die Teilhabe ermöglicht werden.

Für den Wahlkampf, für den er von der Kirche zwei bis drei Monate freigestellt werde, habe Herden, wie er sagte, bereits viele Ideen parat, erhofft sich auch Einladungen von den Ortsverbänden in den beiden Landkreisen. Er wolle zuhören, sagte er, er müsse noch viel lernen und sei auch bereit dazu. Persönlicher Kontakt zu den Menschen sei ihm eine ganz wichtige Form des Wahlkampfes. Und was den Erfolg des Wahlkampfes anbetrifft, „glaube ich an ein kleines Wunder“.

Georg Brandl ist pensionierter Studienrat und war als solcher in den Bereichen Ernährung und Sozialkunde in München tätig. Er ist in Traunwalchen aufgewachsen, seit langem aber in Freilassing zu Hause. Erst seit wenigen Monaten ist er Mitglied der Grünen und hatte bisher auch noch keinen Kontakt zum Freilassinger Ortsverband; so sorgte seine Kandidatur für manches Stirnrunzeln. Auf die Frage nach der Motivation für seine Kandidatur meinte er, es sei demokratische Gepflogenheit, dass es bei Wahlen eine Alternative geben solle: „Es ist nicht von Nachteil, wenn es mehrere Bewerber gibt.“ Und auch die Nachfrage, ob der Orts- oder Kreisverband hinter ihm stehe, antwortete er: „Ich hoffe es, aber die wissen von nichts.“

Die Wahl war dann letztlich eine klare Sache: 50 Stimmen für Herden, zwei für Brandl, eine ungültige, zwei Enthaltungen. Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses durch den Traunsteiner Kreisvorsitzenden Sepp Hohlweger gab es viel Applaus für den neu gekürten Kandidaten.

In getrennten Kreisversammlungen wurden dann noch die Delegierten für die Aufstellungsversammlung in Augsburg gewählt. Für Traunstein sind dies Helga Mandl, Marianne Penn, Marlis Neuhierl-Huber, Karl-Heinz Boxhammer, Josef Hohlweger und Wolfgang Schnell; Ersatzdelegierte sind Andreas Herden, Wolfgang Wörner und Peter Kirchgeorg. Den Landkreis Berchtesgadener Land vertreten Elisabeth Hagenauer, Bernhard Zimmer und Gisela Bechmann; Ersatzdelegierte wurden hier nicht gewählt.

(21. Oktober 2016)